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„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“, schrieb Heinrich Heine vor mehr als 150 Jahre. Wir haben euch letzte Woche die erste Hälfte unserer zehn liebsten Bücher über Berlin vorgestellt. Heute folgen die Plätze 5 bis 1 unserer Top10 Berlin-Bücher:

platz5: TSCHICK (Wolfgang Herndorf)

Auf der Suche nach Liebe, Anerkennung und ein paar Antworten fahren ein 14-jähriger Außenseiter und ein russischer Spätaussiedler in einem alten Lada durch Ostdeutschland, die Nase immer Richtung Walachei. Nostalgischer und irgendwie auch deutscher kann ein Roadmovie eigentlich nicht aussehen. Wolfgang Herndorf, der sich 2013 nach schwerer Krebserkrankung zum Freitod entschied, hat mit Tschick einen Jugendroman geschaffen, der längst nicht nur jenem einen Sommer in Brandenburg ein Denkmal setzt. Am Anfang steht Berlin und am Ende steht Berlin, und dazwischen die ganz große ostdeutsche Weite des Erwachsenwerdens.

platz4: JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN (Hans Fallada)

Bereits 1947 veröffentlicht, wurde der Roman über das historische Ehepaar Otto und Elise Hampel alias Otto und Anna Quangel erst vor wenigen Jahren zum internationalen Bestseller. Ausgehend von ihrer Wohnung in der Berliner Jablonskistraße schreiben der Schreiner und seine Frau Flugblätter und rufen zum Widerstand gegen das Hitlerregime auf, werden enttarnt, denunziert, getötet. Hans Fallada war wohl der erste nicht emigrierte Schriftsteller, der einen Roman über Widerstand in der NS-Zeit schrieb, und bis heute ist es einer der mitreißendsten. Am Ende steht Hoffnung, und ein Ausblick auf bessere Zeiten – Lesenswert!

platz3: DIE KOSMONAUTEN (Richard David Precht)

Spätestens seit Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? hat sich Precht einen Namen gemacht als bedeutendster Popularphilosoph der Gegenwart. Bereits 2002 erschien sein weniger beachteter Roman Die Kosmonauten, ein ewig sinnierendes, wunderbares Werk über Liebe in den Zeiten nach der Wende: Während der letzte Kosmonaut in einer Sojus-Kapsel ziellos um die Erde kreist, weil es seine heimatliche Sowjetunion nicht mehr gibt, verlieben sich Georg und Rosalie, leben die Boheme in Berlin-Mitte, suchen Sinn und Wirklichkeit. Als ihre Zeit endet, wird die eine bürgerlich und lässt den anderen ziellos weiterkreisen. Ein fantastischer Roman, nicht nur für Endzwanziger.

platz2: EMIL UND DIE DETEKTIVE (Erich Kästner)

Und nochmal Kästner! Das Kinderbuch über den aufgeweckten Emil und seine gleichaltrigen Detektivfreunde im wilden Berlin der goldenen Zwanziger ist ein zeitloser Klassiker. Unzählig oft verfilmt, vertont und auf die Bühne gebracht, bleibt die wunderbar spannende und berührende Verfolgungsjagd durch die Großstadt in ihrer Urform dennoch am schönsten: Als Hardcover mit den Illustrationen von Walter Trier, zum darin schmökern, oder besser noch vorlesen.

platz1: HERR LEHMANN (Sven Regener)

Seit Jahren ist Frank Lehmann den Ansprüchen der Welt entwichen, unantastbar und mit dem Charme eines speckigen Ledersofas in einer nichtssagenden Eckkneipe lebt er seine Kreuzberger Ziellosigkeit. Wir schreiben das Wendejahr 1989 und Herr Lehmann, wie ihn seine Freunde nennen, droht 30 zu werden. Er sinniert und philosophiert, gewinnt und verliert die Liebe, sieht die Wahrheit und den Wahnsinn und landet doch wieder am Tresen. Um ihn fallen Mauern und die Welt verändert sich während Herr Lehmann den Lebensinhalt aus seinem Bierglas leert. Sven Regener, Wahlberliner und Chefpoet der Band Element of Crime, hat den sympathischsten Antihelden der Literaturgeschichte erschaffen und ein Berlin-Buch geschrieben, das diesen Namen wirklich verdient. Ein Roman wie ein herbstlicher Nachmittag im Späti um die Ecke; schräg und zärtlich, liebenswert und kaputt – Lesen!

Auf in den nächsten Buchladen und träumt euch in die Hauptstadt – mit unseren zehn liebsten Büchern seid ihr bestens gewappnet für die literarische Berlin-Experience. Und auf den Spuren der Romanhelden könnt ihr die Stadt schon bald selbst erkunden. Reserviert euch noch heute euer Bett im Industriepalast Hostel und erlebt eure ganz eigenen Berliner Abenteuer – vielleicht schreibt ihr der Hauptstadt ja danach selbst einen neuen Epos!?

Viel Lesespaß wünscht euch

euer Simon

Blogger im Industriepalast Hostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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