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Wo heute Glas, Stahl und Beton das moderne Berlin versinnbildlichen, wurde einst getanzt und gefeiert, lagen aber auch Trümmer und Ruinen, wurde Geschichte geschrieben und nahmen Tragödien ihren Lauf. Kaum ein Ort kann auf eine solch wechselhafte Vergangenheit zurückblicken, wie dieser: der Potsdamer Platz.

Nur knapp südlich von Brandenburger Tor und Holocaust-Mahnmal gelegen, zieht der Potsdamer Platz heute Touristen und Einheimische gleichermaßen an: Ob wegen der zahlreichen Boutiquen und Einkaufszentren, der Kinos, Bühnen und Varietés in und um das beeindruckende Sony Center oder weil hier die Luxushotels und Hochhäuser in den Himmel wachsen, der Potsdamer Platz ist in vielerlei Hinsicht ein modernes Zentrum der Hauptstadt geworden. Dabei ist es kaum vorstellbar, dass das Areal vor nichtmal 30 Jahren noch eine wüste Ruinenlandschaft war.

Ursprünglich lag der Platz sogar einmal außerhalb der Grenzen Berlins – vom benachbarten, weitläufigen Leipziger Platz durch die Berliner Zollmauer getrennt, bot der Potsdamer Platz den Eingang zum Leipziger Tor. Dabei lag schon damals hier ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt: eine fünfarmige Kreuzung wies die Wege in alle Richtungen, vor allem aber zur Sommerresidenz Potsdam. Mit der Eröffnung des großen Fernbahnhofs im Jahr 1838 entwickelte sich der Platz schnell zum bedeutendsten Umschlagsplatz für Reisende und Waren und wurde gewissermaßen Berlins Tor zur Welt. Als Berlin Ende des 19. Jahrhunderts schließlich als Hauptstadt über das ganze deutsche Reich blickte, war der Potsdamer Platz längst zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Zentren der inzwischen großflächig gewachsenen Stadt geworden: Schicke Hotels wie der Fürstenhof oder das Grand Bellevue Hotel waren die edelsten Adressen der Metropole, und Künstlertreffpunkte wie das Café Josty gaben dem Viertel ein Bohème-Flair. Auch die erste U-Bahn-Linie Berlins nahm 1902 von hier ihren Ausgang.

Nach dem ersten Weltkrieg avancierte der Potsdamer Platz in den Goldenen Zwanzigern zu einem der berühmtesten Vergnügungszentren der Weimarer Republik, das berüchtigte Haus Vaterland war mit seinen Kinos, Restaurants und Tanzpartys gar einer der größten Amüsierpaläste Europas. Mit seinen vielen Tanzsälen und Varietés, den schicken Cafés und Restaurants – die Rheinterassen boten sogar eine stündliche Gewittersimulation mit allerlei Showeffekten – und einem verschrieenen Rotlichtmilieu darf man sich den Potsdamer Platz durchaus als eine Art Las Vegas der Zwanziger Jahre vorstellen. Um dem stetig zunehmenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, errichtete die Stadt hier im Jahr 1924 auch die erste Verkehrsampel Deutschlands (Hyperlink zu Ampelmann-Artikel!).

Der Bruch kam schließlich mit dem zweiten Weltkrieg: völlig zerbombt blieb von der einstigen Pracht nicht mehr als eine Ruinenlandschaft zurück. In Folge der Teilung Berlins in Ost und West und schließlich dem Bau der Berliner Mauer 1961 verkam der Potsdamer Platz zum Niemandsland im Todesstreifen der Mauer, die Gebäudereste auf beiden Seiten wurden nach und nach abgetragen und verschwanden ersatzlos. Der einstmals belebteste Platz Deutschlands wurde zur randstädtischen Brache.

Erst mit dem Mauerfall 1989 änderte sich die Situation quasi über Nacht: die Mauer wurde eingerissen, Straßen asphaltiert und Pink Floyd spielten hier ihre legendär gewordene Show The Wall, das damals größte Konzert der Rockmusikgeschichte. Mit der Wiedervereinigung von Ost- und Westberlin lag der Potsdamer Platz urplötzlich wieder mitten im Zentrum einer Millionenstadt – eine Position, der man mit ebenso großspurigen wie umstrittenen Bauprojekten rund ums Millenium schnell nachkam.

Heute prägen Hochhäuser aus Stahlbeton und mit teils spiegelnden Glasfassaden das Bild des wohl modernsten Platzes Berlins. Das angrenzende Sony-Center mit seiner atemberaubenden Kuppel aus Stahl und Glas beheimatet einige Restaurants und Bars, außerdem diverse Kinos. Große Einkaufszentren wie die Potsdamer Platz Arkaden oder die LP12 Mall of Berlin locken die Shoppingwütigen hierher und auf den umliegenden Bühnen laufen weltbekannte Shows wie die Blue Men Group oder das Berlin-Musical Hinterm Horizont. Unterirdisch verbindet ein großer Bahnhof den Platz mit U-, S- und Fernbahnlinien und auf dem Dach des backsteinroten Kollhoff-Tower findet sich mit dem Panorampunkt eine der besten Aussichten über die Stadt. Selbst wenn einige Berliner die Entwicklung des Areals zur Hochhauscity des 21. Jahrhunderts kritisch sehen, ist der Potsdamer Platz ein absoluter Must-See für jeden Hauptstadtbesucher und sollte auf jeden Fall erkundet werden.

Auch wenn Berlins älteste U-Bahnlinie U1 heute nicht mehr bis dorthin durchfährt, erreicht ihr den Potsdamer Platz vom Industriepalast Hostel aus in einer gemütlichen Viertelstunde mit der S-Bahn bis Friedrichstraße und dann weiter mit der Linie S1.

Viel Spaß bei der Erkundungstour auf einem der spannendsten Plätze der Welt wünscht euch wie immer

euer Simon

Blogger im Industriepalast Hostel Berlin

 

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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