FotokunstdasCO

“Ich blickte durch eine Linse und alles andere war vergessen”, sagt der weltbekannte Fotograf Sebastião Salgado, und alle, die sich für Fotografie begeistern, kennen dieses Gefühl wohl nur allzu gut. Eine Berliner Galerie hat sich seit mittlerweile 14 Jahren der lichtmalerischen Kunst ohne Wenn und Aber verschrieben und mausert sich in neuer Location und mit großen Namen zur vielleicht wichtigsten Adresse für Fotografie-Ausstellungen in der Hauptstadt: Das C/O Berlin.

Seit letztem Herbst hat die renommierte Galerie ein neues Zuhause im Amerika Haus am Bahnhof Zoo gefunden, nach langen Monaten des Umbaus und Renovierens. In wechselnden Ausstellungen widmet sich das C/O hier klassischer bis avantgardistischer Fotokunst, mal sozialkritisch, mal experimentell, oft überraschend, manchmal einfach nur schön. Begonnen hat seinerzeit alles im alten Postfuhramt in Mitte, kurz nach dem Millennium und in einer Straße, die am Scheideweg zwischen Hausbesetzerszene und Punks auf der einen und hippem Galerieviertel auf der anderen Seite stand. In dem neoklassizistischen Prachtbau gewann das C/O mit teils überraschend populären Ausstellungen schnell einen Ruf als mutige, zukunftsweisende Galerie. Zuschüsse von öffentlicher Seite gab es dabei nie, finanziert wurde sich durch Eintrittsgelder und private Förderungen. Dem Wandel der Nachbarschaft war man dabei nicht dauerhaft gewachsen: Im Frühjahr 2013 musste die inzwischen renommierte Institution einem zahlungskräftigeren Pharmakonzern die lieb gewonnene Heimat überlassen; zur Abschiedsfeier kamen mehrere tausend Gäste.

Dem Umzug ins geschichtsträchtige Amerika Haus in der Charlottenburger Hardenbergstraße standen viele zunächst sehr kritisch gegenüber: Zu weit weg von den jungen Szenevierteln sei die neue Location, und auch das Haus selbst, ein ehemaliges Kulturzentrum der US-amerikanischen Botschaft, passe so gar nicht zum Charakter der Galerie. Auch darüber, wie die benötigten Umbauten vor Ort finanziert werden sollten, herrschte lange Unklarheit. Dann gelang das schier unglaubliche: Über eine Crowdfunding-Kampagne im Internet kamen mehr als 100.000 € an Spenden zusammen, sodass im Herbst 2014 das alte C/O im neuen Zuhause wiedereröffnet wurde. Und auch die kritischen Stimmen wurden leiser, immerhin können dank hochmoderner Klimaanlagen- und Lichttechnik auch empfindliche Vintage-Fotografien und wertvolle Abzüge ausgestellt werden – im alten Postfuhramt war das noch undenkbar gewesen. Mit spannenden und lange erwarteten Sonderausstellungen meldete das C/O dann auch gleich publikumsreich seinen Führungsanspruch in der Berliner Fotografieszene wieder an.

Den ersten ganz großen Kracher im Amerikahaus gibt es aber erst jetzt: Der vielfach ausgezeichnete Fotograf Sebastião Salgado präsentiert ab 18. April seinen Bilderzyklus Genesis hier in Berlin. Der brasilianisch-französische Fotokünstler hat acht Jahre lang all jene Teile der Erde besucht, die von Industrialisierung und westlicher Zivilisation bisher verschont geblieben sind. Ob im Fesselballon oder Propellerflugzeug, zu Fuß oder mit dem Faltkanu, Salgado ging es um die entlegensten Winkel, die entferntesten Welten. Seine kontrastreichen Schwarzweiß-Aufnahmen erzählen dabei von der Schönheit unseres Planeten, von Naturgewalten und der verdrängten Ursprünglichkeit – und führen uns damit vor Augen, was Klimawandel und Umweltverschmutzung zu Zerstören drohen. Spätestens seit dem opulenten Dokumentarfilm Das Salz der Erde von Regisseur Wim Wenders aus dem vergangenen Jahr ist Sebastião Salgado auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Einen Vorgeschmack auf die Arbeiten des Licht-und-Schatten-Künstlers bekommt ihr im Trailer zum Film:

Die Salgado-Ausstellung läuft vom 17. April bis 16. August 2015 im C/O Berlin im Amerikahaus an der Hardenbergstraße. Geöffnet ist sie täglich zwischen 11 und 20 Uhr, der Eintritt kostet 10 € (Ermäßigt: 5 €). Vom Industriepalast Hostel erreicht ihr die Galerie in weniger als 20 Minuten mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Zoo.

Viel Spaß in einer der spannendsten Ausstellungen im Berliner Frühling,

euer Simon

Blogger im Industriepalast Hostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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