Plattenladen in Berlin

Noch nie war Musik so einfach und günstig verfügbar wie heute. Dank Streaming-Diensten und Download-Plattformen können wir heute jederzeit und überall die Künstler, Songs und Playlists hören, auf die wir gerade Lust haben. Das ist praktisch, raubt dem Musikgenuss aber auch viel von seinem ursprünglichen Charme. Wie viel mehr hat ein einziges Album bedeutet, als man noch tagelang warten musste bis der Plattenladen um die Ecke die Scheibe endlich im Regal stehen hatte? Und wie ungleich größer war die Freude über die eine, lange vergriffene Platte, die man nach schier endlosem Stöbern auf einem Flohmarkt fand? Es ist wenig verwunderlich, dass auch heute noch viele dem sanften Kratzen der Nadel auf dem Vinyl so viel abgewinnen können. Audiophile Musikfreunde sammeln Platten wegen des ganz speziellen Klangs, gute DJs spielen ihre Sets auch heute noch von Vinyl und manch einer mag einfach lieber ein Stück Musik in den Händen halten als sich durch die soundsovielste Spotify-Playlist zu klicken. Welche Gründe der analoge Musikgenuss bei euch auch immer hat – Berlin ist für euch der Himmel auf Erden. Denn dank einer großen audiophilen Szene und den unzähligen elektronischen Musikern blühen die Plattenläden hier an vielen Straßenecken in den schönsten Farben. Dem entspannten Stöbern durch zahllose Records steht also eigentlich nichts im Wege – außer vielleicht die überwältigende Auswahl an guten Läden. Wir vom Industriepalast Hostel haben für euch unsere Top5 der besten Plattenläden in Berlin zusammengestellt:

Platz 5: Spacehall

Die Spacehall Im Kreuzberger Bergmankiez ist schon seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Art heiliger Tempel der Techno-Szene. Die Vinyl-Abteilung hat hier gar ein eigenes Ladengeschäft, die Atmosphäre ist so, wie man sich das von einem klassischen Record-Store erwartet: Viel Auswahl und fachkundige Beratung zwischen fototapezierten Wänden, und das allgegenwärtige Gefühl, von absolut audiophilen Freaks und Szenejunkies umgeben zu sein. Im hinteren Bereich wartet die Abteilung für Techno, House, Drum & Bass und sonstigen elektronischen Beats, die zu einer der am besten sortierten der Welt gehören dürfte. Echte Schnäppchen sind eher selten, dafür lässt die Auswahl keine Wünsche offen. Pflichtbesuch für Techno-Freaks.

| Zossener Str. 33 in Berlin-Kreuzberg. Geöffnet Mo – Sa von 11 – 20 Uhr. Do und Fr sogar bis 22 Uhr. |

Platz 4: Bis aufs Messer

Wem Begriffe wie Garage, Grunge, Doom, Noise und Emo etwas sagen, der wird sich hier pudelwohl fühlen: Bis aufs Messer im Szenekiez rund um die Warschauer Straße  hat sich vor allem den alternativen Rockmusik-Genres verschrieben, weshalb auch Punk- und Metalfans hier voll auf ihre Kosten kommen dürften. Wer deshalb aber ein düsteres Kellerloch mit Spinnweben-Deko erwartet, wird vom hellen, minimalistischen und stylischen Ambiente einigermaßen überrascht sein. Zu kaufen gibt es hauptsächlich Vinyl, immer wieder auch zu reduzierten Preisen. Und auch Musikliebhaber abseits der genannten Genres werden beim Wühlen in den schönen Holzkisten sicherlich das ein oder andere schöne Stück finden.

| Marchlewskistr. 107 in Berlin-Friedrichshain. Geöffnet Mo – Fr von 11 – 20 Uhr. Sa bis 18 Uhr. |

Platz 3: Gordon Café & Records

Guter Café und gute Musik, das gehört irgendwie zusammen – schließlich genießt ihr euren Cortado aus handgerösteten Bohnen doch nicht gerne bei Chart-Gedudel, oder? Gordon Café & Records im hippen Schillerkiez in Neukölln widmet sich zwei sehr schönen Dingen – Café und Platten – und kommt damit dem Paradies schon sehr nahe. Leckere israelische Snacks und eine übersichtliche, aber exzellente Auswahl an elektronischer Musik laden zum Verweilen ein. Nehmt euch für den Tag besser nichts mehr vor, hier lässt es sich aushalten.

| Allerstr. 11 in Berlin-Neukölln. Geöffnet Mo – Sa von 8 – 22 Uhr. So von 10 – 22 Uhr. |

Platz 2: Mr. Dead & Mrs. Free

Im Schöneberger Norden, im aufregenden Niemandsland unfern der Queer-Szene am Nollendorfplatz findet ihr auf 45 Quadratmetern den lebenden Beweis dafür, dass es trotz Musikpiraterie und Streaming-Überfluss immer Liebhaber der schwarzen Plastikscheiben geben wird. Den 30. Geburtstag haben Mr. Dead & Mrs. Free schon hinter sich gelassen, und noch immer kennen die Betreiber den Musikgeschmack ihrer – mitunter recht prominenten – Kundschaft genau. Letztlich ist hier für alle was dabei, egal wie nah oder fern ihr euch vom aktuellen und vergangenen Mainstream bewegt. Also ganz ein Plattenladen der alten Schule, wie eine warme Höhle in der ihr bei 33 Umdrehungen pro Minute die Zeit und alles andere getrost vergessen könnt. Für Liebhaber und solche, die es noch werden wollen.

| Bülowstr. 5 in Berlin-Schöneberg. Geöffnet Mo – Fr von 12 – 19 Uhr, Sa von 11 – 16 Uhr. |

Platz 1: Hard Wax

Dimitri Hegemann, seines Zeichens Gründer und Eigentümer des legendären Watergate-Clubs, kündigte vor einiger Zeit die baldige Eröffnung eines Berliner Techno-Museums an. So nett die Idee ist – es gibt dieses Museum längst. Bloß dass es eigentlich ein Record Store ist: Hard Wax, die Walhlala der Technowelt, ein Mythos von einem Plattenladen. Laufkundschaft wird sich hierhin nie verirren, in den dritten Stock einer Hinterhof-Bruchbude im Industrie-Charme am Landwehrkanal. Wer sich auf der engen Treppe an einer bunten Mischung aus Techno-Punks und langbärtigen Hipstern vorbeigeschoben hat findet oben aber einen Lupenreinen Tempel zur Verehrung des schwarzen Goldes. Berlin ist nuneinmal die Welthauptstadt des Technos – und dies ist ihr Plattenladen. Der Mythos kommt nicht von ungefähr, das Hard Wax dürfte das vielleicht einflussreichste Plattengeschäft zumindest dieser Szene sein. Die meisten Protagonisten der elektronischen Musikszene in Berlin kaufen ihr Vinyl hier, und das hat dem Laden seinen sagenhaften Ruf eingebracht. Wieviel von diesem Mythos in der Realität übrigbleibt? Nun ja, freundich und einsteigerorientiert beraten wird man hier sicherlich nicht. Und wer sich für elektronische Tanzmusik nicht interessiert hat hier auch keinen Spaß. Aber mit Ricardo Villalobos eine Kiste alter Detroit-Techno-Platten zu durchwühlen hat schon was. Fazit: Wer unbedingt mal ins Berghain will und noch weiß, was ein Phono-Eingang ist, der will auch hier hinein.

| Paul-Lincke-Ufer 44a in Berlin-Kreuzberg. Geöffnet Mo – Sa von 12 – 20 Uhr. |

Den richtigen Plattenladen zu finden ist nicht einfach, mit unserer Top5 seid ihr aber hoffentlich ein gutes Stück weiter. Doch auch abseits dieser Liste finden sich noch eine ganze Reihe kleiner und großer Record Stores in der Haupstadt, ein kleiner Spaziergang durch die Straßen von Friedrichshain, Kreuzberg oder Neukölln lohnt also allemal. Und als Geheimtipp: Auf Flohmärkten findet ihr mit ein bisschen Glück echte Vinyl-Schätze fürs kleine Taschengeld. Die besten Flohmärkte findet ihr hier.

Viel Spaß beim Stöbern wünscht euch

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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