teufelsberg

Verlassene Orte haben eine ganze eigentümliche Anziehungskraft auf uns: Eingeworfene Fensterscheiben und zurückgelassene Gegenstände, beschmierte Wände und der Staub vieler Jahre, das alles scheint Geschichten aus einer vergangenen Zeit zu erzählen. Es ist, als ob die Geister einer anderen Epoche, eines anderen Zeitalters in den brüchigen Mauern alter Gebäude wohnen und uns einen prickelnden Schauer über den Rücken jagen. Wer ein wenig sucht, findet in Berlin so einige verlassene Orte, aber kaum einer ist so faszinierend und eindrucksvoll wie jene bizarren Türme, welche auf einem Hügel im Westen über der Hauptstadt thronen: Die verlassene CIA-Abhörstation auf dem Teufelsberg. Viele Legenden ranken sich um diesen geheimnisvollen Ort und unter Fotografen und Verschwörungstheoretikern gibt es einen richtigen Kult um die Ruinen. Seit einiger Zeit könnt ihr diesen einzigartigen Ort nun endlich ganz legal besuchen und euch vom morbiden Charme der Anlage selbst verzaubern lassen. Wir vom Industriepalast Hostel haben uns auf dem Teufelsberg für euch umgesehen:

Grauer Stahlbeton, hohe Türme mit eigenartigen Kuppeln, zum Teil von Wind und Wetter zerfressen, dazu ein hoher Zaun mit Stacheldraht – es fällt nicht schwer, sich hier zu fühlen als sei man mitten in einem düsteren Spionagefilm gelandet. Mitten im Grunewald erhebt sich der Hügel mit dem vielsagenden Namen Teufelsberg, auf dem dieses Relikt aus alten Zeiten sitzt, und es scheint die Metropole zu seinen Füßen geradezu bedrohlich zu überwachen, auch jetzt noch. Kaum zu glauben, aber den 120 Meter hohen Hügel, auf dem man hier steht, gab es vor 70 Jahren noch gar nicht. Der zweite Weltkrieg hatte Berlin in ein Meer aus Trümmern und Ruinen verwandelt. Weil der viele Bauschutt einem möglichen Wiederaufbau der zerstörten Gebäude im Weg war, legte man westlich der Stadt eine Deponie an, die nach und nach zu einem richtigen Berg anwuchs. Als bis 1972 insgesamt 26 Millionen Kubikmeter Bauschutt hier gelandet waren, entschloss man sich, den Teufelsberg wieder der Natur zu überlassen und pflanzte rund eine Million Bäume an seinen Hängen. Schon einige Jahre zuvor hatte der amerikanische Geheimdienst CIA den Hügel als Standort für eine Abhörstation entdeckt, immerhin ließen sich von hier Funksignale aus der ganzen DDR und vielen anderen Satellitenstaaten der Sowjetunion überwachen. Die US-Army errichtete eine imposante Anlage mit fünf Antennen-Türmen und vielen weiteren Gebäuden, genannt Berlin Field Station. Was genau hier passierte, war und blieb top secret und so machten schon damals, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, allerlei teils schauerliche Gerüchte die Runde. Trotzdem – oder gerade deshalb – übte der Teufelsberg eine große Anziehungskraft auf viele Westberliner aus, insbesondere da die seitlichen Hänge des Hügels frei zugänglich waren. Eine Zeitlang wurde hier sogar Wein angebaut, aus dem ein Kelterer das Wilmersdorfer Teufelströpfchen machte. Im Winter waren die schneebedeckten Hänge des Teufelsbergs außerdem als Schlitten- und Rodelberg beliebt, zur 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin im Jahr 1987 wurde gar der bislang einzige Ski-Weltcup Berlins hier abgehalten.

Als die Sowjetunion 1990 zerbrach, wurde die auch technisch mittlerweile veraltete Abhöranlage für das CIA überflüssig und die Amerikaner zogen ab. Bis 1999 konnten die Radaranlagen noch für die Überwachung der zivilen Luftfahrt genutzt werden, dann war auch damit Schluss. Was blieb, waren die leeren Gebäude und ein Hauch des kalten Krieges über den Dächern Berlins.  Ideen und Vorschläge für eine weitere Nutzung des Geländes gab es viele, so wollte ein Investor bereits Ende der neunziger Jahre ein großes Tagungshotel auf dem Teufelsberg errichten, ein Plan der letztlich am erfolgreichen Widerstand von Umweltschützern scheiterte. Erst vor wenigen Jahren plante die indisch-amerikanische Maharishi-Stiftung den Bau eines gigantischen “Turms der Unbesiegbarkeit” und einer Schule für transzendentale Meditation hier, doch auch diese Idee ging letztlich aufgrund formaler Auflagen und zu hoher Kosten verloren. Währenddessen erlagen viele Abenteurer, Ruinenjäger und Interessierte der eigentümlichen Anziehungskraft der Anlage und verschafften sich heimlich Zutritt zu dem abgesperrten Areal. Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt entdeckten die leeren Betonmauern für sich und verwandelten das Gelände in eine gigantische Graffiti-Galerie.

Die einzigartige Stimmung zwischen den Betonruinen, die bunte Vielfalt an Graffiti-Kunst und die spannende Geschichte des Ortes sorgen dafür, dass Filmemacher und Fotografen den Teufelsberg gerne als Kulisse nutzen. Doch auch für alle anderen Berlin-Besucher stellt die ehemalige Abhöranlage eine besondere Sehenswürdigkeit abseits der üblichen Pfade dar. Seit einiger Zeit werden endlich Führungen auf dem ansonsten streng bewachten Gelände angeboten. Ihr könnt euch also selbst ein Bild von den Geistern der Vergangenheit machen. Jeden Tag ab 12 Uhr Mittags gibt es stündlich eine stille Begehung des Geländes, in der ihr die kunstvoll gestalteten Ruinen besichtigen könnt. Highlight der Tour ist das Erklimmen eines aussichtsreichen Antennenturms; aufgrund der besonderen Form hat die Kuppel oben eine einzigartige, extrem hallende Akustik, die ihr so bestimmt noch nirgends erlebt habt. Samstags und Sonntags findet um 13 Uhr außerdem eine 90-minütige historische Führung über das Gelände statt, in der ihr ausführliche Informationen über die Geschichte des Areals und einige spannende Legenden erfahren könnt. Der reguläre Eintritt beträgt 7 €, die historische Führung kostet 15 €. Weitere Informationen zum Besuch bekommt ihr auf der Website des gegenwärtigen Betreibers unter www.teufelsberg-berlin.eu.

Vom Industriepalast Hostel könnt ihr den Teufelsberg gut mit der S-Bahn Linie 7 bis Grunewald erreichen, von dort ist es ein schöner Spaziergang (ca. 30 Minuten) hinauf zur Abhörstation.

Eine spannende Reise in die Vergangenheit wünscht euch

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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