juedisches mueseum

Ob Museum, Synagoge oder hippes Szene-Café – es gibt es noch, das jüdische Leben in Berlin, den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte zum Trotz. Und nach wie vor ist es eine ebenso spannende wie treibende Kraft in der Entwicklung der Bundeshauptstadt. Dabei ist die Geschichte Berlins eng und untrennbar mit den jüdischen Gemeinden hier verbunden. Wir vom Industriepalast Hostel haben uns auf Spurensuche begeben und erkunden gemeinsam mit euch in unserer neuen Serie Jüdisches Berlin die vielen Facetten jüdischer Kultur in der Metropole. Zum Auftakt werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Berliner Judentums.

Von Beginn an ein Teil

Auch wenn die Bundeshauptstadt auf den ersten Blick nicht so mittelalterlich daherkommt wie manch andere deutsche Stadt, Berlin hat bald 800 Jahre auf dem Buckel. Schon im 13 Jahrhundert spielten jüdische Händler eine wichtige Rolle in den entstehenden Siedlungen an der Spree. Ein Zeugnis davon geben die freigelegten Grabsteine des Judenkiewer Spandau, des ersten jüdischen Friedhofes in Berlin. Der älteste Stein stammt aus dem Jahr 1244 und ist der älteste je in Berlin gefundene Grabstein, heute zu besichtigen im Museum der Zitadelle Spandau. Bis zum 15. Jahrhundert entstand auch der Große Jüdenhof, ein Bauensemble aus mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Neben dem heutigen Roten Rathaus lag diese frühe jüdische Gemeinde seinerzeit im Herzen des mittelalterlichen Berlins, wurde jedoch im zweiten Weltkrieg zerstört und in einen Parkplatz umgewandelt. Seit 2011 erforschen Archäologen das Ensemble ausgiebig. Die im europäischen Mittelalter allgegenwärtige Judenverfolgung machte auch vor den Toren Berlins nicht halt: Bis in 17. Jahrhundert wurden Juden unter den haarsträubendsten Vorwänden verfolgt, vertrieben und mitunter getötet. Erst 1671, nach dem dreißigjährigen Krieg, begann mit einigen aus Wien vertriebenen Familien wieder echtes jüdisches Leben im jetzt preußischen Berlin, und die bis heute bestehende Jüdische Gemeinde Berlins entstand. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein eigener Jüdischer Stadtteil in der so genannten Spandauer Vorstadt rund um die heutige Oranienburger Straße in Mitte, genannt Scheunenviertel. Aus dieser Zeit stammt der Alte Jüdische Friedhof an der Großen Hamburger Straße, das erste Gotteshaus – später Alte Synagoge genannt – entstand bis 1714 an der Heidereuthergasse.

In den folgenden Jahrhundert blühte die Gemeinde regelrecht auf: Den Juden war die Mitgliedschaft in den traditionellen Handwerkszünften verboten, stattdessen wandten sich viele dem florierenden Handel und dem immer wichtiger werdenden Finanzwesen zu. Jüdische Intellektuelle wie der Humanist Moses Mendelssohn waren prägend an den philosophischen Strömungen der Aufklärung beteiligt und jüdische Salons wurden beliebte Treffpunkte von Adel und bürgerlicher High Society. Bekanntestes Zeugnis dieser pulsierenden Epoche jüdischen Lebens ist die prachtvolle Neue Synagoge aus dem Jahr 1866. Bis ins Jahr 1925 stieg die Zahl der in Berlin lebenden Juden auf rund 173.000 Menschen – eine der größten jüdischen Gemeinden Europas.

Das dunkelste Kapitel

Hitlers faschistische NSDAP machte aus ihrem Antisemititsmus keinen Hehl und begann mit der Verfolgung auch der Berliner Juden bereits kurz nach der Machtergreifung 1933. Die große Eskalation kam in Form der Reichskristallnacht 1938, als die Mehrheit aller Jüdischen Einrichtungen einschließlich Teilen der Neuen Synagoge sowie zahlreiche Geschäfte und Wohnhäuser im Rahmen brutaler Pogrome zerstört wurden. Die systematische Vernichtung der Juden durch das Nazi-Regime begann 1941, von den nicht zuvor geflohenen Berliner Juden, wurden 55.000 Oper der Shoah. Den Holocaust überlebten in Berlin lediglich 9.000 Menschen jüdischen Glaubens – gerade einmal 5% der ursprünglichen Gemeinde. Den Opfern dieser menschenverachtenden Verbrechen kann man überall in Berlin in Form kleiner Stolpersteine  begegnen

Dennoch, Jüdisches Leben gibt es auch heute noch in Berlin, und es prägt und bereichert die Hauptstadt nach wie vor enorm. Nachdem auch die Jüdische Gemeinde in Folge der Teilung Berlins sich aufspalten hatte müssen, besteht sie seit 1990 wieder als Einheit. Seitdem ist sie eine der am schnellsten wachsenden Jüdischen Gemeinden weltweit, vor allem durch den Zuzug von Menschen Jüdischen Glaubens aus Russland und Osteuropa. Die Gegend rund um den Hackeschen Markt ist nach wie vor ein Hotspot Jüdischen Haupstadtlebens, mit zahlreichen beliebten Cafés, Restaurants und Bars. Das Jüdische Museum Berlin ist das größte seiner Art in Europa und seit 2005 erinnert das Holocaust-Mahnmal an zentraler Stelle an die ermordeten Juden Europas. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Achse Berlin – Tel Aviv entwickelt, mit viel (sub-)kulturellem Austausch insbesondere zwischen jungen Künstlern, Musikern und Kreativschaffenden beider Städte.

Es gibt also noch viel zu entdecken im Jüdischen Berlin, begleitet uns weiter in unserer spannenden Serie zum Thema!

Shalom und lehitraot,

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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