Koscher Berlin

Ob Museum, Synagoge oder hippes Szene-Café – es gibt es noch, das jüdische Leben in Berlin, den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte zum Trotz. Und nach wie vor ist es eine ebenso spannende wie treibende Kraft in der Entwicklung der Bundeshauptstadt. Dabei ist die Geschichte Berlins eng und untrennbar mit den jüdischen Gemeinden hier verbunden. Wir vom Industriepalast Hostel haben uns auf Spurensuche begeben und erkunden gemeinsam mit euch in unserer neuen Serie Jüdisches Berlin die vielen Facetten jüdischer Kultur in der Metropole. Nachdem ihr im Jüdischen Museum bereits der Geschichte der Berliner Juden in und rund um das Scheunenviertel begegnet seid und mit dem Holocaust-Mahnmal einen einzigartigen Erinnerungsort kennenlernen durftet, geht es heute um die schmackhafte Seite der jüdischen Tradition in Berlin: Koscher Feiern und Genießen in der Hauptstadt!

Wer sich auf jüdische Spurensuche in der deutschen Hauptstadt macht, denkt vielleicht an Synagoge, Museum und andere Zeugen der Vergangenheit. Dabei ist die jüdische Szene in Berlin quicklebendig und längst nicht nur Insidern vorbehalten. Restaurants und Szene-Café, sogar ein jüdisches Theater findet ihr hier. Wo ihr die findet, darüber müsst ihr euch nicht meschugge machen, denn wir haben euch unsere koscheren Lieblingsorte herausgesucht:

Mädchenschule war gestern

Ein imposanter Bau aus den 1920er Jahren, eine spannende Geschichte und ein einzigartiges Nutzungskonzept – die alte Jüdische Mädchenschule in der Berliner Auguststraße, unweit der Neuen Synagoge, ist nicht nur Heimat einiger Galerien, sondern auch des besten Pastrami-Sandwiches der Stadt. Mogg & Melzer holt die jüdische Esskultur New Yorks an die Spree. Besitzer Paul Mogg hat nicht nur den Stil klassischer amerikanischer Delis getroffen, er weiß auch wie man die Zunge kitzelt: Seine Barbecued Brisket macht ihm in Europa niemand nach. Wer gleich zum Abendessen bleiben möchte, sollte unbedingt einen Tisch im Pauly Saal unterm gleichen Dach reservieren: Im mondänen Stil der 20er Jahre servieren Stephan Landwehr und Boris Radczun, die Macher des legendären Grill Royal hier high-end Cuisine in mehreren Gängen. Dazu gibt es eine der angesagtesten Bars der Stadt und einen Weinkeller mit mehr als 600 feinen Tröpfchen aus aller Welt – schicker kann man sich nun wirklich nicht beschickern.

Von New York bis Tel Aviv

Den jüdischen Lifestyle New Yorks findet ihr auch im Ruben & Carla in der Linienstraße, Mittags gibt es hier Pastrami und Co, abends wird Beef nach bester Tagliata-Art gereicht – sogar Woody Allen würde hier genießerisch schweigen. Der traditionellen jüdischen Küche Osteuropas steht Masel Topf in Prenzlauer Berg näher, auch wenn sich hier zu Gefilte Fisch und Wareniki auch ein himmlisches Schnitzel gesellt. Außerdem darf Sonntags ausgiebig gebruncht werden. Den Mittelmeer-Spagat von Italien nach Israel schafft in Charlottenburg das Gourmet Deli Luigi Zuckermann, wo Deli-Legende Ehud Cohen italienische Antipasti so himmlisch mit israelischem Hummus kombiniert, dass man gar nicht weiß, ob man sich lieber an die Strandpromenaden Tel Avivs oder die Weinberger der Toskana träumen soll. Wer sich für Tel Aviv entscheidet dem bleibt dann eigentlich nur noch ein Ausweg: Ab in den Neuköllner Schillerkiez, und rein ins Gordon. Besitzer Nir und Doron haben die hippe israelische Metropole in Form eines kombinierten Plattenladen-Bistro-Café nach Berlin gebracht und servieren feinste Elektronik-Beats zu leckeren Pita-Taschen.

Stücke aus Ost und West

Seit 2001 gibt es endlich wieder ein jüdisches Theater in der Hauptstadt: Theater Größenwahn mit der Deutsch-Jüdischen Bühne Bimah bringt direkt am Kurfürstendamm Stücke jüdischer Autorinnen und Autoren auf die Bühne, präsentiert Lieder- und Kabarettabende. Zeitgenössisches israelisches Schauspiel findet genauso seinen Platz wie traditionelles Theater der Juden Osteuropas. Das Theater Größenwahn steht damit allen Kulturen offen und vermittelt jüdische Tradition und Gegenwart in mitreißender Art und Weise.

Noch Zweifel? Jüdisches Leben in Berlin ist bunt und vielfältig – und vor allem oftmals wahnsinnig lecker! Die spannende jüdische Szene an der Spree ist jung und hip wie nie, auch aufgrund einer einzigartigen Achse Berlin – Tel Aviv – aber mehr dazu nächste Woche…

Bis dahin shalom und lehitraot,

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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