Berlin Unterführung

Februar, Berlinale-Zeit! Kritiker, Cineasten und vor allem die Boulevardblätter blicken aufgeregt nach Berlin, wenn sich ab dem 9. Februar 2017 wieder die größten Filmemacher und die internationale Schauspiel-Elite auf dem roten Teppich am Potsdamer Platz gegenseitig auf die Füße treten. Die 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin haben es mit Weltpremieren, allerlei Überraschungen und ganz großem Kino in sich und die Bundeshauptstadt bietet wie immer die passende Kulisse dafür. Doch nicht nur rund um den Kinosaal, auch auf der Leinwand ist Berlin nicht selten präsent. Als Filmkulisse steht die Spreemetropole bei Regisseuren von Hollywood bis Babelsberg hoch im Kurs – und wurde dabei mitunter schon zum historischen London oder Moskau umfunktioniert. Viele der bekanntesten Drehorte finden sich mitten im Stadtbild und sind öffentlich zugänglich. Wir vom Industriepalast Hostel Berlin haben uns daher auf die Socken gemacht und für euch eine kleine Tour zu berühmten Drehorten in Berlin gestaltet – mit einer kleinen Überraschung für euch am Ende, also dranbleiben!

eins: Messedamm: Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 2 (2015)

Wir beginnen unsere kleine Reise durch die Berliner Filmwelt ganz im Westen der Hauptstadt am S-Bahnhof Messedamm/ICC, oder genauer gesagt, in der zugehörigen Fußgängerunterführung. Hier wurde nämlich einer der erfolgreichsten Filme der vergangenen Jahre gedreht: Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 ist der letzte Teil der Kassenschlager-Reihe um die dystopischen “Hunger Games”. Große Teile des epischen Finales wurden in Deutschland gedreht, viel davon in Berlin. Und eine der eindrücklichsten Szenen ist eine atemberaubende Flucht durch den Untergrund des “Kapitols” durch orange geflieste Tunnel. Wo ihr die findet? Einfach auf Jennifer Lawrence’ Spuren durch den S-Bahnhof Messedamm/ICC rennen.

zwei: Gendarmenmarkt: In 80 Tagen um die Welt (2004)

Am Messedamm findet ihr auch den U-Bahnhof Kaiserdamm, von dort bringt euch die Linie U2 direkt zur Haltestelle Hausvogteiplatz, und damit zum Gendarmenmarkt, einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Die prachtvollen klassizistischen Bauten rund um den historischen Platz machen ihn zu einer geradezu prädestinierten Kulisse für Historienfilme. Kein Wunder also, dass zahlreiche Filme hier gedreht wurden, wobei einer besonder wichtig war für Berlin als Filmkulisse: In 80 Tagen um die Welt mit Jackie Chan und Steve Coogan. Walt Disney lässt seine Helden am Ende spektakulär vor der Akademie der Wissenschaften in London landen – oder besser gesagt: auf den Treppen des Konzerthauses am Gendarmenmarkt. Berlin sah durch die Kamera einfach mehr nach historischem London aus, als das Original, also verlegte man den Dreh hierher, erklärte den Französischen Dom zur “Bank of England” und montierte nachträglich noch den Big Ben ins Bild. Davor war Berlin vor allem bei Regisseuren aus dem Inland beliebt, die guten Erfahrungen bei dieser Produktion sorgten danach aber für einen regelrechten Berlin-Boom in Hollywood. Dabei tauchte Berlin aber auch schon ein paar Jahrzehnte früher in internationalen Filmen auf, wie…

drei: Checkpoint Charlie: James Bond 007 – Octopussy (1983)

…etwa 1983 in James Bond 007 – Octopussy. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges lässt sich Roger Moore als bekanntester Geheimagent der Welt über die Grenze der DDR schmuggeln. Wo? Natürlich am Checkpoint Charlie, heute eine beliebte Attraktion mitten in Berlin. Das Grenzhäuschen steht noch so wie früher da und mit ein bisschen Fantasie könnt ihr euch in die schaurig-graue Stimmung des Agententhrillers hineinfühlen. Vom Gendarmenmarkt sind es nur 5 Minuten zu Fuß hierher. Macht ein Foto mit den Grenzsoldaten in historischer Uniform und spaziert dann zu Fuß durch das südliche Ende der Friedrichstraße – übrigens Drehort der Indie-Filmsensation Victoria von 2015 – zum U-Bahnhof Hallesches Tor.

vier: Weltrestaurant Markthalle: Herr Lehmann (2003)

Mit der U1 geht es weiter bis zum Görlitzer Bahnhof, von dort sind es zu Fuß nur gut 5 Minuten bis zum Weltrestaurant Markthalle. Hier könnt ihr euch bei leckerem Wiener Schnitzel und frisch gezapftem Bier in uriger Atmosphäre stärken, so wie es einst der vielleicht sympathischste Anti-Held der Literatur- und Filmgeschichte tat: Herr Lehmann. Sven Regener schuf den Kreuzberger Taugenichts für seinen gleichnamigen Roman, der später mit Christian Ulmen in der Hauptrolle verfilmt wurde. Hier bestellte Herr Lehmann Schweinebraten zum Frühstück, verliebte sich in die schöne Köchin Katrin und diskutierte mit ihr über betrunkene Zeit und nüchterne Zeit. Übrigens einer unserer zehn Lieblings-Berlin-Filme.

fünf: Oberbaumbrücke: Lola rennt (1998)

Und noch ein echter Berlin-Film: Lola rennt aus dem Jahr 1998 mit Franka Potente und Moritz Bleibtreu gilt heute als Meisterwerk des Regisseurs Tom Tykwer und ist einer der international bekanntesten Filme aus Deutschland. Lola rennt dreimal durch die gleiche Geschichte mit unterschiedlichem Ausgang, dabei einmal quer durch Berlin und – vielleicht am eindrücklichsten – über die bekannte Oberbaumbrücke. Spaziert am Besten zu Fuß dorthin und flaniert einmal durch den Säulengang auf der Brücke, vorbei an Straßenkünstlern, Graffitis und einer leichten Urin-Note vom Abend zuvor. Echtes Berlin-Gefühl, das es nichtmal auf der großen Leinwand gibt.

sechs: Karl-Marx-Allee: Das Leben der Anderen (2006) & Good Bye, Lenin! (2001)

Auf der anderen Spreeseite angekommen steigt ihr in die Straßenbahn und fahrt in 10 Minuten zum Frankfurter Tor am östlichen Ende der Karl-Marx-Allee. Die DDR-Prachtstraße sieht heute noch fast genauso aus wie vor dem Mauerfall, daher bildet sie auch die Kulisse für die zwei vielleicht berühmtesten Filme über diese Zeit: Good Bye, Lenin! aus dem Jahr 2001 und die deutsche Oskar-Sensation Das Leben der Anderen von 2006. Je weiter ihr die Allee in Richtung Alexanderplatz entlang geht, desto mehr originale Drehorte aus beiden Filmen werdet ihr entdecken: die Karl-Marx-Buchhandlung, das Café Moskau, das Kino International – sowjetisch inspirierte Lebenswelten wie im Film.

Damit seid ihr dann auch schon fast am Ende unserer kleinen Film-Tour durch die deutsche Hauptstadt angekommen. Auf dem gleichen Wege geht es zurück zur Warschauer Straße zur letzten Station unserer Tour:

sieben: Industriepalast Hostel Berlin: Big Business (2014)

Moment – euer Industriepalast Hostel in Berlin soll selbst Filmkulisse sein? In der Tat! Denn hier wurden Teile der Komödie Big Business – Außer Spesen nix gewesen gedreht. Vince Vaughn und Dave Franco stolpern als Start-Up-Unternehmer von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen und verlieren sich in den Wirren der Party-Metropole Berlin. Einige Szenen wurden dabei in Zimmern, der Lobby und an der Bar unseres Hostels gedreht – wenn ihr den Film kennt, werdet ihr die sicher wiederfinden.

Übrigens: Noch mehr bekannte Drehorte in der Hauptstadt könnt ihr bei der Bustour Filmstadt Berlin – das rollende Kino jeden zweiten Samstag im Monat besuchen. Für 23 € werdet ihr zu vielen bekannten Filmkulissen gefahren, unterwegs gibt es auf Bildschirmen im Bus die zugehörigen Filmszenen zu sehen. Infos und Tickets findet ihr hier.

Wir freuen uns auf euren Besuch bei uns in der Film-Metropole Berlin,

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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