siegessaeule

Der Große Tiergarten ist nicht, wie man meinen könnte, ein Zoo. Trotzdem gibt es im zweitgrößten Park der Stadt so einiges zu entdecken, etwa eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt: die Siegessäule. Die “Goldelse” auf ihrem hohen Sockel ist aus der Skyline Berlins nicht wegzudenken und gehört damit zu den absoluten Must-Sees eurer Berlinreise. Alles Wissenswerte zur Säule gibt’s bei uns:

Im Mittelpunkt…

Ein Berlinbesuch kann sich schon mal im wahrsten Sinne des Wortes um die Siegessäule drehen, immerhin steht sie inmitten des großen Sterns, des wahrscheinlich größten Kreisverkehrs der Stadt. Durch die ganze westliche Innenstadt erstreckt sich eine schnurgerade breite Allee auf der neben der Siegessäule auch das Brandenburger Tor liegt, bevor sie als Prachtstraße Unter den Linden kurz vor dem Fernsehturm abbiegt. Dementsprechend gut ist auch der Ausblick von der 51 Meter hohen Aussichtsplattform: über Funkturm und Teufelsberg im Westen, Gedächtniskirche und Zoo im Süden sowie Regierungsviertel und die gesamte Innenstadt im Osten. Über 285 Stufen führt die Wendeltreppe im Inneren der Säule hinauf zur Plattform, bringt also ein bisschen Ausdauer mit. Der anstrengende Aufstieg lohnt aber – die Aussicht ist einmalig. Um den Besuch am Sockel zu beginnen müsst ihr übrigens keineswegs den vielbefahrenen Kreisverkehr zu Fuß überqueren – das käme bei rund 180.000 Autos pro Tag einem Selbstmordversuch nahe. Mehrere Fußgängertunnel, die ihr über vier neoklassizistische Torhäuschen erreichen könnt, führen zur Mitte des großen Sterns. Der Besuch der Aussichtsplattform kostet euch 3€ (2,50€ ermäßigt), geöffnet hat sie jeden Tag von 9:30 bis 18:30 (17:30 in den Wintermonaten).

…des historischen Geschehens

Kaum zu glauben, aber die Siegessäule stand ursprünglich ganz woanders: Am heutigen Platz der Republik, direkt vor dem Reichstag wurde sie 1873 zur Feier der siegreichen preußischen Truppen in den Einigungskriegen (1864-71) nach Plänen von Heinrich Strack errichtet und war damit Symbol der neu gegründeten deutschen Nation. In die Säulenringe sind daher 60 erbeutete Kanonenrohre eingearbeitet, während den Sockel bronzene Reliefdarstellungen der drei Kriege und der triumphalen Heimkehr nach Berlin säumen. Erst 1938 wurde die Siegessäule im Auftrag Adolf Hitlers um knapp zwei Kilometer nach Westen an den heutigen Ort verlegt und damit den Plänen des nationalsozialistischen Architekten Albert Speer für die geplante, völlig überdimensionierte Welthauptstadt Germania angepasst. Dabei wurde das Monument auch nocheinmal um rund siebeneinhalb Meter erhöht. Die vergoldete Bronzeskulptur an der Spitze der Säule ist ein Abbild der Siegesgöttin Viktoria mit gefiedertem Helm von Friedrich Drake, einem bekannten deutschen Bildhauer. Nachdem sowohl Säule als auch Viktoria die Luftangriffe des zweiten Weltkriegs erstaunlich unbeschadet überstanden hatten, forderte Frankreich das Bauwerk aufgrund der starken nationalistischen Symbolkraft zu sprengen. Nur das Veto der anderen alliierten Mächte sorgte für die Erhaltung des Denkmals. Heutzutage haben die meisten Berliner mit nationalistischem Gedankengut zum Glück nicht mehr viel am Hut, daher stört sich auch niemand daran, dass die goldene Siegesgöttin im Volksmund gemeinhin leicht spöttisch als Goldelse bezeichnet wird.

Überhaupt steht das Monument heutzutage meist im Zentrum sehr viel schönerer Ereignisse. So war sie über viele Jahre hinweg der zentrale Anlaufpunkt der legendären Loveparade. Barack Obama hielt hier kurz vor seiner Wahl zum US-Präsidenten 2008 eine umjubelte Rede vor mehr als 200.000 Besuchern. Und neben der gigantischen Silvesterparty und gelegentlicher Fußball-Fanmeilen führt auch die Parade des Christopher Street Day jedes Jahr zum Großen Stern. Und auch ihr findet hoffentlich schon bald den Weg auf die windige Aussichtsplattform über den Laubwäldern des Tiergartens, mitten im Zentrum der Hauptstadt. Vom Industriepalast Hostel erreicht ihr die Siegessäule am einfachsten mit der Buslinie 100 ab S-Bahnhof Alexanderplatz.

Richtet der Goldelse unsere Grüße aus,

euer Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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