Schnitzel

Es gibt da dieses Leibgericht, dass jeder für sich ganz persönlich hat. Dieses ganz spezielle Gericht, das Mama für uns an jedem Kindergeburtstag gekocht hat, dessen Geruch alleine uns ein Gefühl des Zuhauseseins, des Glücks verspricht. Ein Stück ganz individueller Erinnerung. Und dann gibt es da dieses Gericht, das so etwas wie das kollektive Gedächtnis deutschen Geschmacks ist. Diese hauchdünn panierte Erinnerung an Sommertage im Biergarten, an den Familienurlaub in Österreich, an die eine Wahl die wirklich immer geht, die wir alle teilen. Die Rede ist natürlich vom: Schnitzel. Ob nach Wiener Originalrezept oder als raffiniert-ungewöhnliche Kreation; ob im schicken Restaurant oder im Brötchen auf die Hand, das Schnitzel ist in Öl gebackene Glückseligkeit und steht auch hier in der Hauptstadt hoch im Kurs. Hipsteresque Trends zum Gourmet Burger und Craft Beer leben vor, dass neu entdeckte Klassiker das Zeug zum Gastro-Schlager haben. Das Schnitzel aber war schon allgegenwärtig und beliebt bevor Slow Food cool wurde, es ist gewissermaßen eine gastronomische Selbstverständlichkeit. Gerade weil die panierte Gaumenfreude aber so beliebt ist, sind wirklich gute Schnitzel gar nicht so leicht zu finden. Wir vom Industriepalast Hostel haben die beschwerliche Reise durch die Schnitzelküchen der Hauptstadt auf uns genommen um für euch das passende Schnitzel für jede Gelegenheit zu finden:

Die Gourmet-Variante

Berlin ist nicht Wien, das ist klar. Dennoch haben gehobene Restaurants der alpenländische Küche in Berlin eine gewisse Tradition. Ist das gemeinhin eher etwas für schickere Gegenden wie Charlottenburg oder zuletzt auch Mitte, so hat das Jolescha bissi” Österreich in den jung-alternativen Wrangelkiez nach Kreuzberg gebracht. Die Einrichtung ist schlicht und elegant, der Service zuvorkommend und was auf dem Teller landet ist zumeist bio und regional – vor allem aber gekonnt zubereitet. Die Karte bietet eine Kombination aus traditionsreichen Gerichten wie Zwiebelrostbraten oder Tafelspitz sowie raffinierten Kreationen wie etwa Felsenoktopus an Kiwi und Basilikum. Berühmt ist das Tante Jolesch auch für die fantastischen Kuchen und Torten in bester Wiener Zuckerbäcker-Tradition. Im Mittelpunkt all dessen steht aber natürlich das original Wiener Schnitzel: dünn geschnittenes Kalbfleisch, an dem die zarte Panade haftet als sei es das Selbstverständlichste der Welt – kein Wunder dass die Berliner Morgenpost hier “das beste Schnitzel der Stadt” fand. Zu allem Überfluss stimmt bei all dem auch noch der Preis: 18,- € kostet der Gaumenschmaus zum Abendessen, da zahlt man anderswo bedeutend mehr. Der Geheimtipp für Genießer mit kleinem Geldbeutel lautet aber: Mittags hingehen! Das Drei-Gänge-Mittagsmenü inklusive original Gourmet-Schnitzel: 13,50 €.

|  Restaurant Jolesch. Muskauer Str. 1 in Berlin Kreuzberg  |

Berliner Vielfalt

Diskussionen darüber, was man mit dem klassischen Schnitzel alles anstellen darf und was nicht sind eine heikle Angelegenheit, an die man sich mit größter Sorgfalt heranwagen sollte. Schnitzel-Puristen sehen in jedweder Erweiterung des Wiener Originalrezepts eine blasphemische Beleidigung der allerpersönlichsten Art und Weise, während wagemutigere Gourmets die unendlichen Möglichkeiten des Schnitzel-Universums auszukundschaften suchen. Um die gesamte Bandbreite dieser Philosophien abzudecken braucht es einen echten Experten. Und den gibt es im unscheinbaren Charlottenburger Norden: Die Schnitzelei hält was der Name verspricht und bietet am Spreeufer bodenständige deutsch-österreichische Küche im zeitgemäßen (Paniermehl-)Gewand. Neben dem klassischen Wiener Kalbsschnitzel tummeln sich nicht weniger als elf mehr oder weniger traditionsreiche Variationen auf der Speisekarte und erlauben mit Truthahnschnitzel oder Lammhüftschnitzel Ausflüge in ungeahnte Schnitzelwelten. Eine überraschende Delikatesse ist auch das vegetarische Austernpilzschnitzel – und damit der perfekte Kompromiss für eure vegetarischen Freunde. Preislich bewegen sich die Kreationen der Schnitzelei mit rund 17,- € im Mittelfeld. Der Tipp hier lautet: Montag ist Schnitzeltag – dann gibt’s das Wiener Schnitzel für sagenhafte 11,11 €. Entsprechend groß ist aber auch der Andrang, ohne vorherige Reservierung geht da nicht viel.

|  Schnitzelei. Röntgenstr. 7 in Berlin Charlottenburg  |

Schnitzel to go

Manchmal muss es eben schnell gehen, trotz großen Schnitzelhungers, und dann ist für den Besuch im Gourmet-Restaurant einfach keine Zeit. Zum Glück gibt es dafür eine echte Institution in Berlin: Scheers Schnitzel an der Warschauer Straße ist wohl so gut wie jedem Berliner Schnitzelfreund ein Begriff, weil es hier schnell, lecker und vor allem unschlagbar günstig zugeht. Die Auswahl ist angenehm überschaubar hier, die dünnen Fleischlappen gibt es auf dem Brötchen oder Pappteller, dazu Pommes und Krautsalat, sowie eine Reihe leckerer, teils hausgemachter Soßen. Auf Experimentierfreudige warten Jägerschnitzel und eine besondere Kreation mit Chili con Carne und Käse. Schick geht es hier zwischen halb zerrissenen Plakaten, wild zusammengezimmerten Holzzimmern und Papierservietten unter der berühmten Oberbaumbrücke nicht unbedingt zu, aber das Schnitzel schmeckt, wird frisch vor den hungrigen Augen zubereitet und kostet nicht mehr als 5,- €. Da kann man sich bei großem Hunger auch mal zwei gönnen…

|  Scheers Schnitzel. Warschauer Platz 18 in Berlin Friedrichshain  |

Die Veggie-Option

Ja, auch das gibt es. Und das ist auch gut so, denn ein tierfreundlicher Lebensstil heißt ja nicht, dass automatisch auch der Schnitzelhunger für immer verschwindet. Fleischlose Ersatzprodukte auf Soja- oder Seitanbasis gibt es mittlerweile zuhauf, und vegetarisch-vegane Restaurants und Imbisse muss man in den Szenebezirken der Hauptstadt nicht lange suchen. Ein besonders leckerer davon ist die Yoyo Foodworld in Friedrichshain. Als Spezialist für veganes Fastfood werden hier zu lauter Musik und schlichter Einrichtung seit 2008 tierproduktfreie Burger, Pizza und Nachtische serviert. Und eben auch: vegane Schnitzel. Die Zutaten sind größtenteils regional und fast immer bio, gleiches gilt für die Getränke. Anders als sonst so oft in der zuletzt doch sehr hip gewordenen Veggie-Szene gehen die Preise hier absolut in Ordnung, das vegane Schnitzel mit Pommes und Salat kostet hier gerade mal 4,90 €. Kann man sich also guten Gewissens mal gönnen.

|  Yoyo Foodworld. Gärtnerstr. 27 in Berlin Friedrichshain  |

Habt ihr das richtige Schnitzel gefunden? Wir vom Industriepalast Hostel freuen uns über euren gastronomischen Erlebnisbericht.

An Guadn wünscht euch euer Schnitzelfreund

Simon

Blogger @IndustriepalastHostel

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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