Reichstag

Es ist Sitz des wichtigsten Parlaments, Besuchermagnet und Symbol der Demokratie: Das Reichstagsgebäude. Seit mehr als hundert Jahren steht es als Dreh- und Angelpunkt mitten in der deutschen Geschichte, hat Höhen und Tiefen erlebt und zieht heute als aussichtsreiche Attraktion Million Besucherinnen und Besucher an. Warum der Reichstag eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt ist und auf eurer Berlin-Reise auf keinen Fall fehlen darf, erfahrt ihr bei uns:

Am Puls der Zeit

Keine historische Wende in Deutschland ohne dass der prächtige Bau – mal mit, mal ohne Kuppel – im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden hätte. Schon der Bau war ein Politikum: Kaiser Wilhelm I war nicht unbedingt ein Freund demokratischer Strukturen und ein starkes Parlament war ihm besonders zuwider. Seinem Sohn und Nachfolger Wilhelm II stieß der 1884 begonnene Bau besonders übel auf, immerhin würde seine Kuppel jene des Stadtschlosses überragend. Als “Gipfel der Geschmacklosigkeit” bezeichnete er das “Reichsaffenhaus” gar. Fertiggestellt und feierlich eingeweiht wurde das neobarocke Parlamentsgebäude, seinerzeit Sitz des Reichstags, dennoch, und zwar 1894 nach nur zehn Jahren Bauzeit. Die gigantische Kuppel aus Glas und Stahl galt als Vorzeigestück deutscher Ingenieurskunst. Ein Freund des Parlamentarismus wurde Kaiser Wilhelm natürlich dennoch nicht, genützt hat es ihm nichts: 1918, nach dem Ende des 1. Weltkriegs rief Philipp Scheidemann hier die Republik aus – die erste Phase echter Demokratie in Deutschland. Nur vier Wochen nachdem Hitler die Macht übernommen und jene noch junge Demokratie damit de facto schon wieder abgeschafft hatte, stand das Reichstagsgebäude schon wieder im Fokus: Am 27. Februar 1933 steht der Reichstag in Flammen, die Umstände sind bis heute ungeklärt. Die Nazis sprechen sofort von Brandstiftung und instrumentalisieren den – möglicherweise selbst gelegten – Brand für ihre Zwecke: Politische Gegner werden verfolgt, Minderheiten diffamiert, die Macht Hitlers wird ausgebaut. Das ausgebrannte Gebäude wird nur provisorisch wieder hergestellt, während des 2. Weltkriegs fungiert es als Lazarett und Entbindungsstation. Die Bombardierungen der “Reichshauptstadt Berlin” hinterlassen auch das Reichstagsgebäude schwer beschädigt.

Als Ruine stand das Gebäude nach 1945 nur wenige Meter von der Grenze entfernt im Westteil der Stadt. Die ausgebombte Kuppel wurde 1954 gesprengt – angeblich aus Sicherheitsgründen. Bonn war mittlerweile Hauptstadt der BRD, Parlamentssitzungen an dieser Stelle zunächst undenkbar. Obwohl ab 1961 die Berliner Mauer quasi durch den Hinterhof des Reichstagsgebäude verlief beschloss man in Westdeutschland den (fast) vollständigen Wiederaufbau des Bauwerks. Die Fassade wurde schlichter, die Ecktürme etwas niedriger, der Plenarsaal deutlich vergrößert – lediglich auf eine Kuppel verzichtete man. Als Nachbar des Brandenburger Tors blickten die Augen der Weltöffentlichkeit am 9. November 1989 auch auf den Reichstag, als sich Hunderttausende Menschen aus Ost und West glücklich in den Armen lagen. 1991 beschloss der Bundestag des wiedervereinigten Deutschlands den Umzug der Hauptstadt zurück nach Berlin, das höchste Parlament sollte dabei wieder an historischer Stelle Platz nehmen. Das Reichstagsgebäude wurde dafür erneut grundlegend saniert und umgebaut, inklusive einer neuen, technisch ausgefeilten Glaskuppel des britischen Stararchitekten Norman Foster. Noch bevor die größten Bauarbeiten im Gange waren hüllte das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude das gesamte Bauwerk spektakulär ein, eine der größten und meist beachteten Kunstaktionen der Geschichte. Seit 1999 tagt nun der Bundestag, das wichtigste deutsche Parlament, hier im historischen Reichstagsgebäude im Herzen Berlins.

Den Reichstag besuchen

Das Reichstagsgebäude ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt und das meist besuchteste Parlament Europas. Zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof gelegen bildet es den Höhepunkt des Regierungsviertels. Spektakulär ist die Aussicht aus der vollständig begehbaren, technisch eindrucksvollen Glaskuppel und von der Besucherterrasse auf dem Dach. Außerdem könnt ihr eine geführte Tour durch den Parlamentssitz machen, eine Plenarsitzung des Bundestags live verfolgen oder aktuelle Kunstausstellungen vor Ort besuchen. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Angebote, außerdem einen Audioguide für Sehbehinderte sowie spannende Seminare, Vorträge und Ausstellungen. Für Schulklassen und Gruppen gibt es ebenfalls entsprechend zugeschnittene Besuchsmöglichkeiten. Der Eintritt ist in jedem Fall kostenlos, allerdings müsst ihr euch vorher online anmelden. Für die Glaskuppel und Dachterrasse gibt es oft spontan noch Restplätze im Service-Center vor Ort, allerdings empfehlen wir für einen stressfreien Besuch immer die vorherige Anmeldung. Alle Besucherangebote sowie den Anmeldungsservice findet ihr auf der offiziellen Homepage des Bundestags.

Wir vom Industriepalast Hostel Berlin wünschen euch einen spannenden Besuch im politischen Zentrum des Landes,

euer Simon

Blogger@IndustriepalastHostel

Bildnachweis: Datei: #113922717 | Urheber: marcelheinzmann – fotolia

Simon Reuter (Blogger)

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.
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