Museum Berlin

Fun Fact: Wer an jedem regnerischen Tag in ein Berliner Museum geht, der braucht etwa 20 Monate, bis er jedes einzelne besucht hat. Rund 180 Museen gibt es in der Hauptstadt und wahrscheinlich niemanden, der sie alle kennt. Doch während die diversen Einrichtungen auf der Museumsinsel ähnlich wie das Jüdische Museum oder das DDR-Museum jährlich von hunderttausenden Besuchern gestürmt werden, schaffen es andere kaum in die gängigen Reiseführer. Was nicht heißt, dass diese Museen weniger sehenswert wären – im Gegenteil: wir zeigen euch fünf Museums-Geheimtipps in Berlin:

eins: Medizinhistorisches Museum der Charité (Mitte)

Präparierte Organe, Missbildungen im Reagenzglas oder alte Darstellungen übler Hautkrankheiten – das Medizinhistorische Museum der Charité ist wahrlich nichts für schwache Gemüter. Der Pathologe Rudolf Virchow stellte seine Sammlung praktisch aller damals bekannter Krankheitsbilder ab dem Jahr 1899 den Augen der Öffentlichkeit zur Verfügung, doch nach weitreichender Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurde die Ausstellung erst 1998 wiedereröffnet. Neben alten medizinischen Gerätschaften, Schriften und Modellen zeigt die Dauerausstellung auch etwa 750 seltene pathologisch-anatomische Präparate – darunter ganze Organe und herausoperierte Tumore. Vielleicht nicht der perfekte Ort fürs erste Date, aber ein unvergesslicher Museumsbesuch zwischen Faszination und Grusel, die eindrucksvoll auch die Fortschritte der Medizin über die Jahrhunderte hinweg deutlich macht. Das Medizinhistorische Museum der Charité hat täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr geöffnet; Mittwochs und Samstags sogar bis 19 Uhr. Barrierefreiheit ist gegeben, der Eintritt kostet 9 € bzw. 4 € ermäßigt. Schulklassen können die Ausstellung aus Jugendschutzgründen erst ab Klassenstufe 10 besuchen.

|   Medizinhistorisches Museum der Charité, Charitéplatz 1, 10117 Berlin Mitte   |

zwei: Museum der Dinge – Werkbundarchiv (Kreuzberg)

Toaster, Fernseher, Stuhl und Tischlampe – hast du alles in deiner Wohnung stehen? Ein außergewöhnliches Museum in Kreuzberg stellt genau solche scheinbar wenig besonderen Gegenstände aus. Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge packt alltägliche Dinge in die Vitrine und macht so die Alltagskultur des 20. und 21. Jahrhunderts museumsreif. Was das soll? Der Deutsche Werkbund stemmte sich schon bei seiner Gründung im Jahr 1907 gegen die zunehmende Massenproduktion unter Verwendung billiger Materialien und verstand sich als moralisch fundierte Reformbewegung für Ästhetik und Qualität. Die dabei propagierte Sachlichkeit und Funktionalität darf man durchaus als gedankliches Grundgerüst der sehr viel bekannteren Schule des Bauhaus begreifen. Zu sehen gibt es also qualitativ und ästhetisch hochwertige Dinge, die das Alltagsleben prägen und bereichern – und zwar als “wertvolle” Gegenstände und nicht als Konsum-Wegwerfware aus billiger Massenproduktion. Erstaunlich aktuell, oder? Vielleicht statt dem nächsten Primark-Besuch lieber einen Abstecher hierher machen. Das Museum der Dinge hat Donnerstag bis Montag von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Zugang ist barrierefrei möglich, der Eintritt kostet 6 € bzw. 4 € ermäßigt. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren haben freien Eintritt.

|   Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Oranienstraße 25, 10999 Berlin   |

drei: Brücke-Museum (Dahlem)

Kunstmuseen gibt es viele in Berlin: von Ölschinken und Barockschnitzereien in Alter Nationalgalerie und Bode-Museum über Werke der klassischen Moderne im Museum Berggruen bis zu zeitgenössischen Ausstellungen in der Berlinischen Galerie. Ganz versteckt, am gefühlten “Ende” der Hauptstadt zwischen von Wildschweinen aufgewühlten Waldabschnitten im beschaulichen Dahlem findet sich jedoch ein Kunstmuseum, das zu Unrecht kaum jemand kennt: Das Brücke-Museum. Kern der Sammlung sind rund 400 Gemälde und Plastiken sowie tausende Zeichnungen, Grafiken und Aquarelle der Künstlergruppe Brücke. 1905 von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet gilt diese Phase als ein Höhepunkt des deutschen Expressionismus und als Wegbereiter der Moderne. Egal ob karrikaturenhafte Straßenszenen aus dem mondänen Berlin der Gründerjahre oder verstörend buntes Bergidyll aus der Schweiz – wer mit expressionistischer Kunst etwas anfangen kann kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Das Brücke-Museum hat täglich außer Dienstag von 11 bis 17 Uhr geöffnet und barrierefrei zugänglich. Der Eintritt kostet 6 € bzw. 4 € ermäßigt, Schüler*innen und Kunststudent*innen zahlen nichts.

|   Brücke-Museum, Bussardsteig 9, 14195 Berlin Dahlem   |

vier: Urban Nation (Schöneberg)

Street Art gehört auf die Straße, nicht ins Museum! Könnte man meinen, und wenn man die kommerzielle Ausschlachtung der mysteriösen Skandalfigur Banksy bedenkt, dann scheint das ein recht vernünftiges Credo. Was aber, wenn ein Museum gar nicht versucht, Graffitis und Tags von den Häuserwänden in einen sterilen Ausstellungsraum zu verfrachten, sondern sich als Plattform für die Szene versteht und dem, was anderswo illegal wächst einen offenen, sicheren Raum gibt? Genau das ist der Urban Nation in Schöneberg gelungen. Ursprünglich als Netzwerk für Urban Contemporary Art gestartet holt die Initiative seit 2013 Künstler*innen aus aller Welt nach Berlin und lässt sie klein- bis großformatig Häuserwände rund um die Schöneberger Bülowstraße gestalten. Seit 2017 existiert mit dem Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art eine Ausstellungsfläche für welche bekannte Szenegrößen eigens Werke in ihrem speziellen Stil geschaffen haben. Für alle, für die Street Art mehr ist als Schmierereien auf Häuserwänden, ist schon ein Spaziergang durch die Bülowstraße ein Highlight – der Besuch des Museums setzt dann noch einen drauf. Geöffnet hat das Urban Nation Museum täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei! Barrierefreiheit ist gegeben.

|   Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art, Bülowstraße 7, 10783 Berlin Schöneberg   |

fünf: Computerspiele-Museum (Friedrichshain)

Wisst ihr noch, als Mutti meinte ihr sollt nicht die ganze Zeit vor dem blöden Bildschirm sitzen und zocken, sondern lieber mal was Sinnvolles mit eurer Freizeit anstellen? Wie wäre es denn mal mit einem Museumsbesuch? Geht klar Mutti, wir gehen ins Museum. Und zwar ins Computerspiele-Museum in Friedrichshain! Bereits 1997 entstand in Berlin die erste permanente Ausstellung über digitale interaktive Unterhaltungskultur, das 2011 eröffnete Museum an der Karl-Marx-Allee ist das erste eigenständige Computerspiele-Museum der Welt. Und da gibt es viel zu entdecken: die erste Konsole für das heimische Wohnzimmer, Odyssey von 1972, alte C64-Computer aber auch Virtual-Reality-Brillen und andere Zukunftstechnologien. Die Geschichte des Computerspielens ist vielleicht noch relativ jung, als prägendes Medium unserer Alltagskultur spielen E-Games jedoch eine stetig wachsende Rolle. Das Computerspiele-Museum ist daher nicht nur für Gaming-Freaks und E-Sport-Fans einen Besuch wert. Geöffnet hat das Computerspiele-Museum täglich von 10 bis 20 Uhr, der Zugang ist barrierefrei möglich. Der Eintritt kostet 9 € bzw 5 € ermäßigt.

|   Computerspiele-Museum, Karl-Marx-Allee 93A, 10243 Berlin Friedrichshain   |

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Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.

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