Berlin Cathedral (Berliner Dom) reflected in Spree River at dawn, Germany

Mit seiner prunkvollen Kuppel überragt er die Mitte Berlins und ist zweifelsohne ein bekanntes Wahrzeichen der Hauptstadt: der Berliner Dom. Als Hofkirche der kaiserlichen Hohenzollern-Dynastie war er im Volk nicht sofort beliebt, doch nach zwei Weltkriegen und beispiellosen Bemühungen um den Wiederaufbau über die Grenzmauer des geteilten Deutschlands hinweg, gehört die evangelische Kirche auf der Museumsinsel für die Berliner*innen heute ganz klar zum Stadtbild. Einen Besuch des Prachtbaus solltet ihr euch bei eurer Berlin-Reise auf keinen Fall entgehen lassen; alle Infos bekommt ihr hier:

Jeder Epoche ein neuer Dom

Auch wenn das heute weithin sichtbare Bauwerk nur ein gutes Jahrhundert auf dem Buckel hat, standen an dieser Stelle durchgängig schon seit dem 13. Jahrhundert bedeutende Kirchenbauten. Im Hochmittelalter befand sich hier das Dominikanerkloster Cölln mit einer dreischiffigen Hallenkirche. Das gegenüber errichtete Berliner Stadtschloss, welches nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg abgetragen und zwischenzeitlich durch den modernistischen Palast der Republik ersetzt worden war, nun aber für viele Millionen Euro zumindest der Fassade nach wieder aufgebaut wird, war Stammsitz der Hohenzollern, seinerzeit Kurfürsten von Preußen. Sie ließen das aufgehobene Kloster ab 1535 zur Hofkirche umbauen.

Der spätgotische Backsteinbau war 200 Jahre später baufällig geworden, deshalb ließ Friedrich II, als “Alter Fritz” Herrscher im mittlerweile zum Königreich aufgestiegenen Preußen, an seiner Stelle einen barocken Neubau errichten. Diesem “zweiten Dom” nahm sich Anfang des 19. Jahrhunderts der stilprägende Stadtarchitekt Friedrich Schinkel an. Seinen Plänen und seiner Ästhetik entsprang die heutige Museumsinsel und auch die barocke Hofkirche ließ er nur ein halbes Jahrhundert nach ihrer Fertigstellung im klassizistischen Stil umbauen.

Vom Kaiser für den Kaiser

Mit der Reichsgründung war aus dem preußischen König der deutsche Kaiser geworden, und vor allem Wilhelm II fand den Schinkel-Dom nicht repräsentativ genug. Deshalb veranlasste er ab 1894 den Abriss dieses alten und den Bau eines neuen, größeren und prachtvolleren Doms an derselben Stelle. Die Berliner*innen der Gründerzeit waren mit diesen Plänen nur mäßig glücklich – der grazile klassizistische Kirchenbau war im Volk ausgesprochen beliebt. Der Neubau sollte im Stile des Neobarocks erfolgen, mit zahlreichen Verzierungen. Die Architekten Julius und Otto Raschdorff orientierten sich für die vom Kaiser gewünschte “Kathedrale für die Protestanten der Welt” an symbolträchtigen Bauten wie dem Petersdom in Rom und der St. Paul’s Cathedral in London. Den aufbruchsbereiten Menschen im zur Millionenstadt gewachsenen Berlin an der Schwelle zur Moderne erschien das als rückwärts gewandtes Kunstverständnis, viele sahen gar eine “Reklame-Zwingburg der Hohenzollern”. Dennoch setzte der Kaiser seinen Kopf durch und 1905 war der Dom in seiner heutigen Gestalt fertig.

Ein Wiederaufbau über Grenzen hinweg

Bei Bombenangriffen wurde der Dom 1944 schwer beschädigt, anders als beim benachbarten Stadtschloss entschloss sich die DDR-Führung nach Kriegsende jedoch gegen einen Abriss. Die Ruine wurde kaum genutzt, erst 1975 begann ein Sonderprogramm zum Wiederaufbau. Wichtige Unterstützung kam dabei aus dem “Ausland”: Kirchengemeinden in Westdeutschland sammelten Spenden für den Wiederaufbau der in Ostberlin gelegenen Kirche und steuerten so rund 20 Millionen Mark bei. Direkt nach dem Mauerfall floss noch mehr Geld und 1993 konnte die Sanierung an der Bausubstanz vorläufig abgeschlossen werden. Seitdem werden stetig die Kunstschätze im Inneren restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Was es zu sehen gibt

Auch wenn der Berliner Dom längst nicht so alt und historisch ist, wie viele Besucher*innen denken (bei der Fertigstellung im Jahr 1905 reihten sich in Chicago und New York bereits Wolkenkratzer aneinander), ist er heutzutage eines der bekanntesten Baudenkmäler der Hauptstadt und wird tagtäglich von tausenden Besucher*innen bewundert. Der prachtvolle Bau mit monumentaler Kuppel und vier Türme beeindruckt schon von außen, die wahre Pracht zeigt sich jedoch erst im Inneren. Ornamente und Mosaike, Statuen und goldene Verzierungen zeugen vom Geltungsbedürfnis der Monarchie. Berühmt sind der Marmoraltar von Friedrich August Stüler und der Taufstein von Christian Daniel Rauch. Die kleinere Tauf- und Traukirche ist ein Ort der Andacht und Besinnung. Die unterirdische Hohenzollerngruft gilt als wichtigste dynastische Grabstätte Deutschlands. 94 Angehörige der Adelsfamilie fanden hier seit dem 16. Jahrhundert ihre Ruhestätte. Mehr Informationen und Hintergründe zur Baugeschichte findet man im kleinen Dommuseum. Höhepunkt des Dombesuchs ist – im wahrsten Sinne des Wortes – der Aufstieg zur Domkuppel, von der aus sich ein atemberaubender 360°-Ausblick über Berlin eröffnet.

Der Berliner Dom hat täglich von 9 – 20 Uhr geöffnet (im Winter nur bis 19 Uhr), wobei während Gottesdiensten und Veranstaltungen kein Besuch möglich ist. Der Eintritt kostet 7€ pro Person (5€ ermäßigt), Kinder unter 18 Jahren sind in Begleitung der Eltern kostenfrei. Alle 20 Minuten gibt es eine im Ticketpreis enthaltene Führung durch den Dom. Ein barrierefreier Zugang befindet sich links vom Portal.

Bildnachweis: Foto von Patryk_Kosmider| ID: 170160480 – depositphotos.com

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
_________________________________________________________________________

is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.

Letzte Artikel von Simon Reuter (Blogger) (Alle anzeigen)

Sehenswürdigkeiten

Berlins schönste Sehenswürdigkeiten
auf einen Blick!

weiterlesen

Letzten Beiträge