So etwas passiert in einer Millionenstadt nicht alle Tage: Mitten im Stadtkern, zwischen East Side Gallery und Warschauer Straße entsteht derzeit ein komplett neues Stadtviertel. Herzstück des ganzen: Der Mercedes Platz, ein neues Vergnügungszentrum im nordamerikanischen Stil, mit Eventhallen, Multiplex-Kino, Bowlingbahn und Shopping-Mall. Die zumeist eher links-alternativ eingestellten Bewohner*innen von Friedrichshain und Kreuzberg stehen dem neuen Kommerz-Komplex mit gemischten Gefühlen entgegen, andere feiern ihn als zukunftsweisendes urbanes Zentrum. Fest steht: der neue Entertainment District ist jetzt schon eine Sehenswürdigkeit und ein Highlight des Berliner Nachtlebens – dabei wird es noch bis 2022 dauern, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Was ihr rund um den Mercedes Platz alles finden und erwarten könnt, haben wir für euch zusammengefasst:

Veranstaltungen im großen Stil

Auch wenn hier seit 2017 Gebäude um Gebäude in die Höhe geschossen ist – über allem thront nach wie vor die riesige Mercedes-Benz-Arena. Schon vor rund zehn Jahren wurde die Mehrzweckhalle hier eröffnet (damals noch als “O2-World”), seitdem bietet sie bis zu 17.000 Besucher*innen Platz. Eishockey- und Basketballspiele finden hier gleichermaßen statt wie Konzerte von Weltstars – selbst das Finale einer E-Gaming-Weltmeisterschaft ging hier bereits über die Bühne, vor ausverkauften Rängen.

Als “kleine Schwester” der Riesen-Arena eröffnete 2018 gleich nebenan die Verti Music Hall: eine Konzerthalle der neuesten Art mit Platz für bis zu 4.500 Fans. Zum Auftakt spielte direkt Jack White von den White Stripes, dieses Jahr stehen unter anderem noch The Lumineers und Beth Hart auf dem Programm.

Unterhaltung, Spaß und Gastronomie

Dass Bowling nochmal cool wird, davon ging, abgesehen von einer kurzen Retro-Welle in Folge des Coen-Brothers-Meisterwerk The Big Lebowski, wohl kaum jemand aus. Tatsächlich erfreut sich der Sport (bei dem sich unsere Urgroßeltern schon herrlich stritten) größter Beliebtheit. Eine hochmoderne Anlage in WM-Qualität mit innovativer Lichttechnik und 28 Bahnen ist die neu eröffnete Bowling World am Platz. Auch Billard, Dart und Spielautomaten gibt es hier. Gleich nebenan will man mit dem UCI Luxe Kino die Zukunft des Filmtheaters begründet haben: kleine Säle statt Riesenleinwand, Luxus-Sessel mit Liegefunktion statt Popcorn-bebröselter Klappstühle. In 14 Sälen mit insgesamt 1.700 Plätzen sollen Blockbuster und Arthouse-Filme gleichermaßen gezeigt werden, der Fokus liegt aber wohl klar auf der Mainstream-Sparte. Auch Live-Übertragungen von Konzerten und Sportereignissen sind in Planung.

Ansonsten säumen den Mercedes Platz eine Vielzahl an Restaurants, Imbissen und Bars. Hier will man sich wohl auf das leicht gehobene Franchise-Segment konzentrieren: Statt McDonald’s gibt es Hans im Glück, Kaffee gibt’s beim Kaffeehaus Einstein und Cocktails bei Sausalitos.

Einkaufswelt

Ob Berlin wirklich noch eine Shopping-Mall braucht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, die East Side Mall, das mittlerweile 69. Einkaufszentrum der Hauptstadt fällt hell erleuchtet und bunt ins Auge. Innen gibt es das übliche Sortiment aus Modeketten, Elektronikläden, Supermärkten und Einrichtungsgeschäften, außerdem natürlich den üblichen Fast-Food-Corner mit Burgern, Fritten und Asia-Nudeln. Wirklich neu ist das zwar nicht, hier im beliebten und besucherstarken Ausgeh-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg herrschte daran aber tatsächlich ein gewisser Mangel. Und so erfreut sich die Mall direkt gegenüber dem S-Bahnhof Warschauer Straße wenige Monate nach Eröffnung auch recht großer Beliebtheit – obwohl noch gar nicht alle Ladenflächen vermietet sind.

Passt das hier her?

Warum also beschweren sich die Anwohner*innen? Shopping und Abendunterhaltung sind doch nun wirklich keine Hiobsbotschaften? Nun, dieser neue Entertainment District liegt genau zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, zwei Stadtteilen, die wie kein anderer Bezirk für das chaotische, dreckige, handgemachte und kreative, organisch gewachsene Bottom-Up-Gefühl stehen, mit dem Berlin sich gerne schmückt. Der Urban-Spielplatz RAW-Gelände ist nur einen Steinwurf entfernt, die benachbarte East-Side-Gallery ist Street-Art-Kultur mit Denkmalschutz. Hier ist die dunkelbunte Techno-Szene zuhause, bis vor wenigen Jahren gab es hier noch besetzte Häuser. Dass mit Hilfe US-amerikanischer Großinvestor*innen quasi ohne Beteiligung der Lokalbevölkerung nun ein Stück Las Vegas mitten in die ohnehin schon gentrifizierungsgebeutelten Kieze gesetzt wurde, empfinden viele als Ausverkauf der Stadt – Modeketten statt Spätis, Systemgastronomie statt Falafel, Event-Hallen statt kleiner Kulturzentren. Doch so wie sich Berlin von einer geteilten Insel zur Weltstadt gewandelt hat, so hat sich aus das Publikum hier im einstmals alternativen Osten verändert. Und “cleane Mainstreamkultur”, wie sie der neue Entertainment District anbietet, gab es hier rund um die Oberbaumbrücke tatsächlich noch wenig. Nun gibt es hier alles – und davon könnt ihr bei eurem Berlin-Besuch natürlich kräftig profitieren. Vor allem da das Industriepalast Hostel sich direkt um die Ecke vom Mercedes Platz befindet. Viel Spaß also beim Erkunden!

Bildnachweis: © Anschutz Entertainment Group

Simon Reuter (Blogger)

ist Wahlberliner aus Überzeugung und vielgereister Backpacker aus Leidenschaft. Als Rezeptionist erlebt er das Hostel-Leben an vorderster Front, als Blogger leitet er seit 2014 den Berlin-Blog des Industriepalast Hostels.
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is Berliner by choice and a passionate backpacker himself. As a receptionist he knows the real hostel life; as a blogger he's been writing for Industriepalast Hostel's Berlin blog since 2014.

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